Probiotika – Gesunder Darm, gesunder Mensch

Es gibt Organe in uns, über die man lieber spricht als der Darm. Jedoch wird der Medizin in immer mehr bewusst, welch große Rolle der Darm in uns Menschen doch hat. Dabei soll schon Hippokrates gesagt haben: „Der Tod sitzt im Darm“. Der Darm produziert 80% unserer immunzellen zur Abwehr von Krankheiten und produziert den größten Teil an Serotonin in unserem Körper, der für eine gute Stimmung sorgt und in der Weiterverarbeitung zu Melatonin auch für den guten Schlaf notwendig ist (1). Das Fundament unserer Darmflora bekommen wir bereits zur Geburt von unserer Mutter übertragen. Das Ganze erfolgt entweder über die Vaginalschleimhaut bei einer natürlichen Geburt, oder über die Aufnahme der Muttermilch. Viele große Krankheitsthemen wie Allergien, Asthma, Osteopose werden heute immer mehr in Verbindung mit dem Darm gebracht. Doch wie bringen wir den Darm wieder in Balance?

Probiotika, Präbiotika & Symbiotika

Oft werden die drei Begriffe Probiotikum, Präbiotikum und Symbiotikum in einem Produkt vereint. Spricht man von einem Probiotikum, sind damit darmfreundliche Bakterienstämme gemeint. Diese werden in der Regel dazu genutzt pathogene Keime durch das Überangebot an guten Darmbakterien zu verdrängen und den Darm anzusäuern, um das Milieau für schädliche Darmbakterien unattraktiv zu machen. Meist direkt in einem Produkt vereint befinden sich sogenannte Präbiotika wie Inulin oder Oligofruktose, die als Futter für die freundlichen Darmbakterien dienen sollen. Ist ein Probiotikum mit einem Präbiotikum vereint, nennt man es in der Regel Symbiotikum. In der Praxis hat sich aber der Name Probiotikum durchgesetzt, auch wenn präbiotische Elemente enthalten sind.

Natürliche Probiotika

Bevor man darüber nachdenkt sich teure Probitika aus der Apotheke zu besorgen, möchten wir an dieser Stelle den Hinweis geben, dass es genauso eine Vielzahl von kostenlos selbst herzustellenden Probiotika gibt. Sauerkraut, Kefir und Kombucha sind hier die am bekanntesten und beinhalten eine riesige Bandbreite an verschiedenen Stämmen probiotischer Bakterien und fluten den Darm mit Milchsäure der durch natürliche Gärung bei der Herstellung entstanden ist (2). Joghurt, besonders aus dem Supermarkt, ist eher als Negativ-Beispiel zu sehen, da durch die ultrahohe Erhitzung zur Erhöhung Haltbarkeit so gut wie alle probiotischen Bakterien absterben. Veganer, die trotzdem in den Genuss von Kefir und seiner heilenden Wirkung kommen möchten, haben die Möglichkeit ihn zum Beispiel mit Mandelmilch anzusetzen. Lediglich hin und wieder braucht der Kefirpilz etwas Milchzucker um seine Wirkung nicht zu verlieren. Durch die schwankende Diversität und die Anzahl an probiotischer Bakterien in natürlich hergestellten Lebensmitteln, gibt es oft nur wenige Studien und gezielte Aussagen zur Wirkung bei konkreten Gesundheitsbeschwerden. So soll der Hefestamm Saccharomyces Boulardii speziell bei Durchfallproblemen helfen und ist auch in einem bekannten Produkt in jeder Apotheke erhältlich, ohne dass viele Menschen wissen, dass ein Probiotikum in den Kapseln enthalten ist. Nichtsdestotrotz muss schlussendlich oft jeder selbst probieren, welcher Stamm einem das größte Nutzen, bei seiner individuellen Ausgangssituation bringt.

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Die richtige Einnahme

Die richtige Einnahme ist ein oft unterschätzter Punkt bei der Einnahme von Probiotika. So kann man leicht durch Kleinigkeiten die Effektivität der gesunden Darmbakterien erhöhen und ihnen bei ihrem Weg zum Zielort den schnellsten Weg ermöglichen. Bevor darüber nachgedacht wird ein Probiotikum einzunehmen, sollte zuvor ein Darmflora-Test gemacht werden. Dieser gibt Auskunft über den Zustand der Darmflora. In der Regel wird der ph-Wert gemessen, verschiedene Stämme und ihre Population aufgezeigt, sowie bei größeren Tests Entzündungsmarker und Pilze bestimmt. Eine richtige Einnahme ist im Grunde recht einfach, behaftet aber einige wenige grundlegende Regeln. Der Einnahmezeitpunkt sollte idealerweise auf leeren Magen erfolgen. Grund dafür ist, dass die Magensäure, die beim Essen stärker produziert wird, ungünstig auf die probiotischen Bakterien und ihr Überleben wirkt. Zudem ist der ph-Wert des Magens im Tagesverlauf unterschiedlich hoch. So ist er am wenigstens sauer am Morgen vor dem Frühstück, und am Abend vor dem Schlafen gehen. Dies sind logischerweise auch die am meisten zu empfehlenden Zeitpunkte zur Einnahme von Probiotika. Schon nach gut 30 Minuten sind fast alle Bakterien sicher im Darm angekommen. Nimmt man das Probiotikum nach einer Mahlzeit, so verlängert sich die Verweilzeit im Magen und der Kontakt mit der Magensäure drastisch, und es kann nicht sichergestellt werden, dass alle Bakterien sicher an ihr Ziel ankommen. Befolgt man diese simplen Regeln, kann sich das volle Potential probiotischer Bakterien und ihrer gesundheitsfördernden Wirkung voll entfalten.

Zusammenfassung

Es gibt eine schier unendlich große Auswahl an probiotische Produkten, doch vergessen wir oft, das viele unserer Großeltern und Vorfahren einzig und allein durch fermentierte Lebensmittel ihre Darmflora intakt halten konnten. Bevor man also zu teuren Produkten greift, sollte also zumindest darüber nachgedacht werden, es erstmal mit fermentierten Lebensmitteln zu probieren. Auch bietet ein Darmflora-Test eine gute Möglichkeit, Probleme im Darm gezielt zu bekämpfen und die Ursache ausfindig zu machen. Befolgt man anschließend die Regeln zur Einnahme, können Probiotika ein sehr gutes Fundament, neben Ernährung, Achtsamkeit und sportlicher Aktivität sein, vielen Krankheiten sowohl kurativ, als auch präventiv entgegen zu wirken.

Hinweis zu Gesundheitsthemen

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wer Informationen aus dem hier Gesagten anwendet, tut dies in eigener Verantwortung.Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.

Literaturverzeichnis

1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31749128 [Online] 23. 12 2019

2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31807647 [Online] 23. 12 2019.

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